Datenschutz im Fahrzeug

Mein Auto bestellt den Service jetzt eigenständig

11. Januar 2018 | Von | Kategorie: MOBILITÄTSKONTROLLE, PRIVATE DATEN

Mein Auto hat gerade eigenständig die Werkstatt angerufen, weil es sich hinten neue Bremsbeläge wünscht. Ich wurde immerhin noch gefragt, wann ich mitkomme, vermutlich, weil ICH die EC-Karte in der Tasche habe … | Lesedauer: < 2 Minuten

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Gerade eben hat mich eine freundliche Servicemitarbeiterin des Autohauses angerufen, bei dem ich vor einiger Zeit einen Wagen gekauft habe. Mein Auto hätte sich gemeldet und um einen Servicetermin gebeten. Die hinteren Bremsbeläge müssten gewechselt werden – sagt mein Auto. Ob ich damit denn einverstanden bin? Und ob wir gleich einen Termin vereinbaren können?

Ich fragte, warum MEIN Auto erst mit der Werkstatt Kontakt aufnimmt und nicht mit mir. Tja, das gebe es immer wieder. Mal erfährt den Wunsch zuerst der Besitzer und häufig gleich die Werkstatt.

Was bleibt mir übrig. Dass ich wenigstens noch gefragt worden bin, liegt vermutlich daran, dass ICH die EC-Karte für die Bezahlung der Rechnung in der Tasche habe. Der (selbstfahrende?) Nachfolger des aktuellen Modells fährt vielleicht auch noch von sich aus in die Werkstatt, wenn ich was ganz anderes vorhabe …

Zähneknirschend stimmte ich zu, mein Auto zum vereinbarten Termin vorbeizufahren. Nachdem ich zuvor noch zugestimmt hatte, dass man „besser gleich auch noch“ die Bremsscheiben mitbestellt. Falls die auch gewechselt werden müssten. Dann könnte man das beim gleichen Termin miterledigen „und Sie müssen nicht einen weiteren Tag auf Ihr Fahrzeug verzichten“.

Den Wunsch, ein ernstes Wörtchen mit meinem Auto zu reden, habe ich gerade aufgegeben. Vielleicht rächt es sich sonst und plaudert mein Fahrverhalten noch an ganz andere Interessenten aus. Bei jedem Neuwagen ab 01.04.2018 wäre das ganz normal, wie der RBB-Inforadio gestern berichtete [1].

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Quelle

[1]   Änderungen 2018 – Privatsphäre beim Autofahren in Gefahr, 10.01.2018, RBB-Inforadio
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/wirtschaft_aktuell/201801/197226.html

Zum gleichen Thema

[A]   Bundesdatenschutzbeauftragte stellt ihre Mindeststandards vor: Datenschutz beim automatisierten und vernetzten Fahren
08.06.2017, CIVES
https://cives.de/datenschutzempfehlungen-automatisierten-vernetzten-fahren-5350

[B]   Vernetztes Fahren: Das Auto als mobile, vernetzte Datenbank, 21.04.2017, CIVES
https://cives.de/das-auto-als-mobile-vernetzte-datenbank-4807

[C]   Your Car is Watching You … soll Gesetz werden, 24.02.2017, CIVES
https://cives.de/your-car-is-watching-you-soll-gesetz-werden-4560

[D]   Your Car is Watching You …, 01.06.2016, CIVES
https://cives.de/your-car-is-watching-you-3008

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2 Kommentare auf "Mein Auto bestellt den Service jetzt eigenständig"

  1. Armin Pieroth sagt:

    Der Grund ist da zu suchen, wo die Kosten entstehen: in den Vertragswerkstätten und den Ersatzteilpreisen. Der Kunde soll in die Vertragswerkstätten gezwungen werden, denn die freien Werkstätten sind den Autofirmen zu billig.
    Das hat nichts mit der Qualität zu tun. Beispiele: die Ausrüstung eines PKWs mit Lamellensperrdiffential sollte bei einem renommierten deutschen Autohersteller 2500,– DM Mehrpreis betragen, bei einem anderen 2200 DM. Die Preise bei Kauf der Differentiale über den Industrieverkauf der jeweiligen Autohersteller waren 125,– bzw. 87,– DM. Wohlgemerkt: der Preis für das komplette Teil, nicht nur der Mehrpreis. Preis für einen Zigarettenanzünder: 25,– DM. Preis biem Zulieferer incl. der Einbauzeit (ein paar Sekunden): 60 Pfennig.
    Anderes Beispiel: Aussage eines Kunden von mir, der auch eine Vertragswerkstatt betrieb: wenn jemand so lange für den Wechsel eines Bremsbelages bräuchte, wie es der Vorgabezeit des Autoherstellers entspräche, würde ich den Mann sofort entlassen. Er gab mir das Beispiel Wechsel des Bremsbelages an hinteren Reifen. Normale Arbeitszeit max. 30 min, Vorgabezeit: 2 Stunden. Hier läßt sich dann mit einen niedrigen Stundensatz eine preiswerte Werkstatt vortäuschen. Das ist kein normales Geschäftsgebaren mehr, das grenzt an Nepp.
    Wir sind bald bei der Methode eines Herstellers für Sofortbildkameras: der Preis der Kamera ist lächerlich – aber wehe, Du brauchst einen Film.

    • Abbe sagt:

      Hm, das bringt mich in ein Dilemma. Mein Auto ist ein Funktionsgegenstand, das mich (und andere) von hier nach dort bringen soll. Das tut es auch problemlos (- bisher). Freie Werkstatt suchen, würde ich gerade noch hinkriegen (in der Tat folgt heute ein Versuch). Aber dann?! Passiert vermutlich das, wie …: Vor einigen Monaten hatte ich ein Womo gemietet – auf Fiat Ducato-Basis. Kenne den Typ, fahre ihn gerne. Nach dem Losfahren blink-leuchtete die Ölwechsel-Lampe. Der Vermieter (Profi/Händler) erzählte, der Ölwechsel sei ja gemacht, man habe nur „vergessen“, den Status zurückzusetzen. War klar, dass die den Ölwechsel selbst und ohne Fiat/Iveco gemacht hatten. Ein Stück Heftpflaster auf dem Armaturenglas hat das Problem dann für die kurze Reise vergessen gemacht. Nur: Wie viele Heftpflaster dieser Art würden sich denn mit der Zeit ansammeln bzw. zu ignorierende Anzeigen im Bordcomputer, wenn das gleiche bei meinem Auto passiert? Heißt also: Das Folgeproblem sind die herstellerspezifischen „Diagnose“-Geräte (oder wie die im Fachterminus richtig heißen), mit denen die jeweiligen Statusmeldungen im Bordcomputer zurückgesetzt werden.

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