Emails aus Elmau (02)

Lieber Stefan…
Über Steinschlagschutzzäune und das THW

14. Mai 2015 | Von | Kategorie: G7-GIPFEL ELMAU

Lieber Stefan,

das mit den ca. 20 großen Lastwägen, teilweise mit Abladekränen allein vom THW Regensburg, hat mich nicht losgelassen. Habe denen also am gleichen Abend noch eine Presseanfrage geschickt: Heute morgen schon rief die Pressesprecherin des THW Bayern zurück. Wir hatten ein nettes, längeres Gespräch miteinander mit ziemlich positiven Ergebnissen:

Erstens: Beim THW kriegst Du keine Schätzungen! Das liegt vermutlich an deren ingenieur-mäßiger Einstellung. Die sagen Dir also nicht vorher, wie viele Leute oder Lastwägen etc. für den G7-Gipfel eingeplant sind, denn das wäre ja nur geschätzt und damit ungenau. Aber hinterher, also nach dem Einsatz, darf man wieder anfragen. Das nenne ich deutsche Gründlichkeit!

Zweitens: Ich bin jetzt ein ganzes Stück schlauer, was das THW angeht. Die Grenze zwischen Pressesprecherin und PR-Beauftragter ist anscheinend fließend:
Sie hat mir nämlich erzählt, dass

  • das THW eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministerium des Innern (BMI) ist
  • der Landesverband Bayern mit 100 hauptamtlichen Mitarbeitern auskommt,
  • jedoch in Bayern über ca. 15.000 ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind,
  • also auch die THW-Mitarbeiter, die für den G7-Gipfel eingesetzt werden.
  • Für THW-Einsätze müssen die Arbeitgeber den jeweiligen Mitarbeiter nach einem „THW-Gesetz“ freistellen. Sie haben auch die Löhne und Gehälter zunächst fortzuzahlen, erhalten die aber später wieder erstattet. [Ist sicher eine große Freude für die Lohnbuchhaltung beim jeweiligen Arbeitgeber …]
  • und die Sachkosten, wie z.B. der Sprit für die Fahrt nach Elmau, werden vom Bundesinnenministerium bezahlt

Das hätte ich zwar alles auch im Internet nachlesen können, aber anscheinend sind nicht nur Männer in schwarzen Bullys, sondern auch andere Hilfskräfte rund um den G7-Gipfel sehr entgegenkommend. Vielleicht hat sie auch gedacht, ich lese nicht gern!

Wir haben dann weiter geplaudert über die Aufgaben des Katstrophenschutzes, genauer gesagt: Sie hat geplaudert und ich wollte wissen, was ein Katastrophenschutz beim G7-Gipfel macht: Nicht dass man auf falsche Gedanken kommt …: Die Frau Pressesprecherin sagt, dass das THW zum Schutz der Bevölkerung und für Verpflegungsleistungen für die im Einsatz befindlichen Kräfte bei G7-Gipfel vorgesehen ist. Sozusagen die Inkarnation der Gulaschkanone. Versteh ich! Was ich nicht verstanden habe ist, warum dann ca. 20 schwere Fahrzeuge – Lastzüge etc. – schon drei Wochen vor der Veranstaltung in Elmau tätig sind. Zumal die keine Kocher hinten drauf hatten. Es sah eher so aus, als würden die beim Aufbau der Steinschlagschutzzäune unterstützen.

Ich hätte das nicht als Frage formulieren sollen: Denn daraufhin fiel die Frau Pressesprecherin fast vom Stuhl. Das – also das – sie schnappte nach Luft – ist doch „Aufgabe der Polizei“. Und damit haben „wir“ überhaupt nichts zu tun. Das, habe ich ihr gesagt, finde ich sehr beruhigend. Sie wollte zwar nicht wissen, warum ich das beruhigend finde, aber Dir kann ich’s ja sagen: Denn jetzt lernt die Polizei nicht nur Schweißen – du erinnerst Dich an mein letztes Email?! – sondern kann auch noch mit Steinschlagschutzzäunen umgehen. Denn wenn man an den Zustand so mancher Eisenbahn- und Straßenbrücken in unserem Lande denkt, ist es sicher sinnvoll, wenn die Polizei mit Stahlnetzen und -zäunen umgehen kann! Das gibt in Summe weniger von Steinbrocken erschlagene Bürger und trägt damit zu der Hauptaufgabe der Polizei bei: Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung: Es ist nämlich nicht ordentlich, wenn erschlagene Bürger unter den Brücken rumliegen – und sicher ist es auch nicht! Doch zurück zum Thema … Also mit Steinschlagschutzzäunen hat das THW rein gar nichts zu tun – sagt sie.

Ich habe die Frau Pressesprecherin dann noch einmal gefragt, was denn dann eigentlich die ca. 20 schweren Fahrzeuge aus Regensburg, die wir gesehen haben, jetzt schon in Elmau gemacht haben. Wusste sie nicht. Hat sich vielleicht um einen Betriebsausflug gehandelt. Vielleicht fressen sich die Motorkolben fest, wenn die schweren Fahrzeuge nicht regelmäßig bewegt werden oder so. Und das ist ja dann auch wieder gut, dass die ihre jungen Leute rumschicken, um die Motoren zu bewegen, damit nichts rostet …

Am Ende hat sie dann noch gesagt, dass ja vieles nicht so genau öffentlich gemacht werden soll / kann / darf. Ich wusste zwar nicht recht, was sie eigentlich meint, denn bis dahin hatte sie ja gar nichts gesagt, was man nicht vielleicht auch woanders nachlesen kann. Ich habe ihr aber gesagt, dass ich das verstehe mit der Geheimhaltungsnotwendigkeit bei Einsätzen. Da wurde sie wieder ein bißchen ruhiger.

Und dann habe ich noch gefragt, wer denn eigentlich die Einsatzleitung hat – auch über die THW-Kräfte. Das wusste sie aber auch nicht. Der Einsatz sei ein ‚geplanter‘ hat sie mir erklärt, also anders als ein Hochwasser, das man nicht vorhersehen kann und daher … Ab da habe ich anscheinend nicht mehr alles mitgeschrieben, jedenfalls kann ich Dir leider nicht erklären, warum bei einem geplanten Einsatz nicht klar ist, wer die Einsatzleitung hat. Ist ja aber auch egal: Das THW ist sowieso nur dort „für den Ernstfall, den wir alle nicht erhoffen“. Rätselhafte Bemerkung, wie ich finde: Meint sie jetzt, dass die Hotelküche mit dem Noro-Virus infiziert ist und dann das THW kochen muss? Wie sonst können Gulaschkanonen im Ernstfall helfen?!

Ach ja: Ganz zum Schluss hat sie noch gesagt, dass die Einsatzleitung anscheinend beim Landratsamt Garmisch liegt. Das finde ich jetzt wieder ziemlich lustig: Weiß doch jeder, dass der Gipfel am Wochenende stattfindet. Und seit wann hat ein bayerisches Landratsamt am Wochenende auf??

Immer wenn man denkt, man hätte eine Frage geklärt, stellt sich eine neue …

Insofern: Ich bleibe am Ball und halte Dich auf dem Laufenden …

Liebe Grüße

Chris

______________________________________________________________________________

Emails aus Elmau: Lieber Stefan …

Die Emails aus Elmau berichten – nicht immer nur ernst gemeint – von den Beobachtungen vor Ort und im weiteren Umkreis zu den Vorbereitungen auf den G7-Gipfel.
Der „liebe Stefan“ hatte sich gewünscht, vor allem das Gute, Sinnvolle und Positive in meinen Berichten hervorzuheben.

Bisher sind erschienen:

Emails aus Elmau (01) vom 12.05.2015: Lieber Stefan … Über schweißende Polizisten und das H7-Spiel
Emails aus Elmau (02) vom 14.05.2015: Lieber Stefan … Über Katastrophenschutz beim G7-Gipfel, das THW und Gulaschkanonen
Emails aus Elmau (03) vom 20.05.2015: Lieber Stefan … Wie die Münchner mental auf den Gipfel vorbereitet werden
Emails aus Elmau (04) vom 20.05.2015: Lieber Stefan … Von Särgen und anderen Großraumbehältern
Emails aus Elmau (05) vom 23.05.2015: Lieber Stefan … Über den Stand der Vorbereitungen auf eingeladene und nicht eingeladene Gäste

Kommentare sind geschlossen