EZB soll sich aus Geschäft mit Staatsanleihen zurückziehen

Dreister Vorstoß: Deutsche Bank fordert 150 Milliarden für Bankenrettung

10. Juli 2016 | Von | Kategorie: AKTUELLES, FINANZEN | STEUERN | BANKEN

Fassungslos las man am heutigen Sonntag die folgende Meldung [1]: Der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, ein Herr namens David Folkerts-Landau, „fordert“ ein Bankenrettungsprogramm in Höhe von 150 Milliarden Euro. Damit sollen die Banken „mit frischem Kapital“ ausgestattet werden.

  • Die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Herr davon ausgeht, dass Banken zum wiederholten Mal auf Steuerzahlers Kosten „gerettet“ werden sollen, macht fassungslos – zum ersten.
  • Fassungslos – zum zweiten – macht die Frage, warum Banken „frisches Kapital“ brauchen, nachdem EZB-Chef Draghi seit geraumer Zeit monatlich zweistellige Milliardenbeträge in die Banken pumpt, um diese mit Kapital zu versorgen. Wo ist all dieses Geld geblieben?
  • Fassungslos macht – drittens – die behauptete Eile. Die Bankenrettung sei so dringlich, da könne man auf einen Bail-In durch Bankengläubiger nicht mehr setzen. Denn der Bail-In, die Beteiligung an den Verlusten der Banken durch deren Gläubiger, hatte in Italien vor wenigen Monaten zu massiven Protesten geführt. Daraufhin hatte die Europäische Kommission – im medialen Windschatten der Brexit-Entscheidung und auf Drängen des italienischen Ministerpräsidenten – 150 Milliarden Europa an Garantien für italienische Banken gewährt [siehe 2]
  • Fassungslos macht – viertens – die nonchalante Argumentation von Folkerts-Landau: Der hält einen Bail-In für „politisch nicht durchsetzbar“ und stellt das, was aktuelles Gesetz ist, damit gleich gänzlich zur Disposition. Ja, er setzt noch ein Argument oben drauf: „Sich streng an die Regel zu halten, würde größeren Schaden anrichten, als sie auszusetzen“, zitiert ihn die Welt. Eine wahrhaft bemerkenswerte Begründung für die Nicht-Beachtung von Recht und Gesetz. Die offensichtlich zulässig ist, wenn’s denn um systemisch wichtige Banken geht.
  • Fünftens wäre da die Frage nach dem Medium, das solches berichtet: Die Welt am Sonntag: Denn weder in der Meldung, die online verbreitet wird, noch im Interview in der Print-Ausgabe kommt ein Redakteur auf die Idee, dem Chef-Volkswirt der Deutschen Bank eine Frage zu stellen zu seiner Auslegung von Recht und Gesetz oder dies zumindest zu kommentieren.

IWF: Deutsche Bank ist größtes potenzielles Risiko für das globale Finanzsystem

Man konnte es leicht überlesen: Am 01.07. veröffentlichte der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Studie. Darin wird die Deutsche Bank als „größtes potenzielles Risiko für das weltweite Finanzsystem“ eingeschätzt [3].

Die Bank trage durch ihre Verflechtungen zu anderen Unternehmen mehr zum systemischen Risiko im Finanzsektor bei als jede andere international tätige und als systemrelevant eingestufte Großbank, heißt es in einer aktuellen Studie des Währungsfonds. „Unter den global tätigen Banken mit systemischer Bedeutung scheint die Deutsche Bank der wichtigste Nettolieferant von Systemrisiken zu sein“, schreiben die Währungsfonds-Wissenschaftler in der an diesem Donnerstag veröffentlichten Studie.

Mangelndes Wachstum und „zu hohe Staatsschulden“ sind Ursachen der Probleme der Banken, behauptet der Vertreter der Deutschen Bank

Zur Erinnerung: Aktionäre der Deutschen Bank brauchten gute Nerven in den letzten elf Monaten: Der Aktienwert stürzte ab von über 32 Euro auf aktuell 11 Euro, was einem Verlust von mehr als 60% entspricht.

In einer solchen Situation wird der Chef-Ökonom zum Chef-Marketingstrategen. Der Kursrückgang bei Bankaktien sei nur das Symptom eines viel größeren Problems, nämlich „eine fatale Kombination aus schwachem Wachstum, hohen Staatsschulden (!!) und einer Nähe zur gefährlichen Deflation“ [in 1]. Vermutlich ist es zu viel verlangt, dass ein solcher Lobbyist in eigener Sache auch den direkten Kausalzusammenhang benennt zwischen hohen Staatsschulden und früheren Bankenrettungen. Letztere, die Bankenrettung, trug nämlich maßgeblich zu ersterer, der hohen Staatsverschuldung, bei. Es sollte allerdings nicht zu viel verlangt sein von einem „Leitmedium“, wie der Welt, eine solche unverfrorene Meinungsmache in eigener Sache zu hinterfragen und richtig zu stellen.

Was will Folkerts-Landau eigentlich sagen?!

Nach der Lektüre der Kurzfassung des Interviews in der Online-Ausgabe der Welt [1] bleibt vor allem eines: Fassungslosigkeit – siehe oben. Man wundert sich über die Dreistigkeit. Und man fragt sich, warum 150 Milliarden Euro reichen sollen, um die europäischen Banken zu rekapitalisieren. Wenn gleiches bisher nicht erreicht wurde durch die Milliarden – die Rede ist von derzeit 60 Milliarden Euro pro Monat – die Draghi’s EZB seit Monaten in die Banken pumpt.

EZB-Schelte in der Print-Ausgabe: Die Deutsche Bank will wieder Geld mit Staatsanleihen verdienen

Mehr Klarheit liefert die ausführliche Fassung des Interview in der Print-Fassung der ‚Welt am Sonntag‘ [4]. Hier zieht der Chef-Ökonom deutlich vom Leder gegen die EZB: „Die Währungshüter von der EZB tun ohnehin schon viel zu viel“, leitet er seine Philippika ein:

„Die EZB hat mit ihrem Versprechen, im Zweifel unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu kaufen, einen kardinalen Fehler begangen. Dies könnte als einer der größten Fehler einer Zentralbank in die Geschichte eingehen. Durch das Versprechen und das spätere Kaufprogramm wurden die Zinsen auch für die Krisenstaaten künstlich niedrig gehalten (1). Doch das nimmt den Regierungen jeden Anreiz, sich um Reformen zu bemühen oder Ausgabendisziplin zu wahren (2). Das erklärt auch, warum viele Staaten heute unter einer Rekordverschuldung leiden (3).“

  1. Damit wäre die Katze aus dem Sack: Die EZB hat Aufgaben übernommen, die bisher die systemrelevanten Großbanken wahrgenommen hatten: Nämlich die Finanzierung von krisengebeutelten Staaten (wie z.B. Griechenland, Portugal oder Italien) zu hohen Zinssätzen. Während Deutsche Bank & Co in der Vergangenheit damit viel Geld verdienten [und sich Verluste später vom Steuerzahler erstatten ließen], übernimmt diese Rolle jetzt die EZB. Dieses Geschäftsmodell für Deutsche Bank & Co ist weggefallen. Eine gleichwertige Alternative existiert nicht. Die Bank(en) verdienen also auf diese Weise kein Geld mehr. Entsprechende Verluste soll (erneut) der Steuerzahler kompensieren.
  2. Ein neuer, zynischer Gedanke. Es waren also Deutsche Bank & Co, die für Reformanstrengungen und Ausgabendisziplin in Krisenstaaten gesorgt haben?!. Man wird solche Botschaften z.B. in Griechenland oder Portugal mit Freuden hören …
  3. Ein weiterer Zynismus und die glatte Unwahrheit: 95% der Gelder für die „Rettung“ von Griechenland gingen an Banken, wie Deutsche Bank & Co. Nur rund 5% landeten tatsächlich in Griechenland.

Das Bonbon für private Investoren: Auf Bail-In und Euer Geld soll verzichtet werden …

Wenn also die EZB dem Großbanken wieder deren Geschäftsfeld überlassen würde, mit richtig fetten Zinssätzen richtig Kohle zu machen bei Krisenländern, dann, so signalisiert Herr Folkerts-Landau, wird auch kein Bail-In benötigt, also kein Rückgriff auf das Geld privater Bankengläubiger. Zumal – das sagt er allerdings nicht – falls das Ganze schiefgeht und Krisenstaaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können, kann dann ja wieder der Steuerzahler blechen …

Man muss den Vorstoß des Chef-Strategen der Deutschen Bank für Marketing und Polit-PR in eigener Sache halten. Dass er sich dabei zum Sprecher ‚der europäischen Banken‘ aufschwingt, ist bemerkenswert. Dem entgegenzutreten, wäre Sache der betroffenen, anderen Banken.

Dröhnendes Schweigen zu diesem Vorstoß aus der Regierung

Auffallend ist, dass der Vorstoß bisher keinerlei Resonanz erfahren hat. Keine Reaktion von anderen Banken oder Wirtschaftsverbänden. Und geradezu dröhnendes Schweigen aus Polit-Berlin. Man darf gespannt sein auf die nächsten Tage …

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Quellen

[1]   ’Deutsche-Bank-Chefökonom fordert 150 Milliarden Euro‘, 10.07.2016, Welt Online
http://www.welt.de/finanzen/article156924408/Deutsche-Bank-Chefoekonom-fordert-150-Milliarden-Euro.html

[2]   ’Im Windschatten des Brexit: EU-Kommission und EZB gaben umfassende Garantien für Italiens Banken‘, 05.07.2016, CIVES
http://cives.de/im-windschatten-des-brexit-eu-kommission-und-ezb-gaben-umfassende-garantien-fuer-italiens-banken-3355

[3]   ’IWF: Deutsche Bank größtes Risiko für Finanzsystem‘ , 01.07.2016, MM-News
http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/77440-deutsche-bank-risiko

[4]   ’Europa ist schwer krank – David Folkerts-Landau, der Chef-Colkswirt der Deutschen Bank fordert von den EU-Staaten 150 Milliarden Euro zur Rettung der Kreditinstitute. Alle Alternativen seien auf Dauer zu teuer‘, 10.07.2016, Welt am Sonntag

Verwandte Artikel

[5]   ’Im Windschatten des Brexit: EU-Kommission und EZB gaben umfassende Garantien für Italiens Banken‘, 05.07.2016, CIVES
http://cives.de/im-windschatten-des-brexit-eu-kommission-und-ezb-gaben-umfassende-garantien-fuer-italiens-banken-3355

[6]   ’Bargeld-Abschaffung und die absehbaren Folgen für Ihr Bankguthaben‘, 25.02.2016, Cives
http://cives.de/bargeld-abschaffung-und-die-absehbaren-folgen-fuer-ihr-bankguthaben-2833

[7] ‚Schäuble, die Finanzmarktregulierung und die Deutsche Bank‘, 11.02.2016, Cives
http://cives.de/schaeuble-die-finanzmarktregulierung-und-die-deutsche-bank-2719

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3 Kommentare auf "Dreister Vorstoß: Deutsche Bank fordert 150 Milliarden für Bankenrettung"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Ja- es wird jetzt eine Menge Wind gemacht, damit die kleinen Anleger meinen, dass der Staat die Bänken rettet, und wenn die großen Anleger ihr Geld in Ruhe abgezogen haben, dann wird der Sack zugemacht.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. H. Schinkel sagt:

    Der Faschismus in Deutschland treibt immer wildere und schlimmere Auswüchse. Der kleine Mann wird im seine Rente und Ersparnisse betrogen, während Banken und Lobbyisten immer mehr Geld ins Ausland pumpen.

    Mal sehen wie lange das noch gut gehen kann.

  3. Italienische und Deutsche Banken schreien nach neuen Staatshilfen | mein-krampf.org sagt:

    […] Quelle: http://cives.de/dreister-vorstoss-deutsche-bank-fordert-150-milliarden-fuer-bankenrettung-3411 […]

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